Review: 18 Karat – „Pusha“

Ich geh‘ vermummt in den Krieg, meine Maske ist gold
Und ich mach‘ das nicht für Fame, meine Akte ist voll

Straight aus der Nordstadt Dortmunds liefert 18 Karat mit Pusha den Nachfolger seines Debütalbums FSK18 Brutal ab. Wer nach seinem Signing beim Düsseldorfer Label Banger Musik ein typisches Banger-Album mit Radiosingle, Single für die Ladies, Single mit allerhand Reflexionen über den eigenen Werdegang, etc. erwartet hat, der liegt sowas von daneben.

Der Dortmunder Goldmaskenträger präsentiert uns auf 18 Tracks harten, ungeschönten Street Rap. Natürlich geht nicht jeder einzelne Track in die Fresse wie die Singles FMFL 2.0 und Gangsta Gangsta. Auf Tracks wie Ich glaub an dich oder Dieser Weg schlägt 18 Karat durchaus nachdenklichere Töne an. Trotzdem sind auch diese Songs gefärbt von Straßenslang und -attitüde.

Ich seh‘ mich nur mein Leben lang mein Leben wegschmeißen
Lieber Gott, wann wirst du mich recht leiten?

Thematisch drehen sich die 18 Anspielstationen – wenig überraschend – um Drogenhandel, Untergrundkriminalität und Loyalität gegenüber Brüdern. Die Identität des Banger Musik-Signings ist dank der Maske ein wohl gehütetes Geheimnis. Deshalb muss jede Realness-Debatte ins Leere laufen. Dennoch lässt sich sagen, dass man dem Dortmunder die Gangster-Attitüde definitiv abnimmt. Frei nach Bushido war und ist 18 Karat „nie ein Rapper“. Er sieht sich als Stimme der Straße und diese Rolle verkörpert er nahezu perfekt.

Musikalisch fährt Pusha eine recht einheitliche Schiene. Trotz Produktionen diverser Beat-Produzenten von KD Beatz, Joshimixu und Juh-Dee über Gorex und Abaz bis hin zu Muko Beats, der in letzter Zeit heftige Beat-Bretter für Mert ablieferte, (hier die gesamte Liste) lässt einen das Album in einen Film eintauchen, aus dem man erst nach dem 18. Track wieder auftaucht.

Auch die Features sind gut ausgewählt und auf wenige Rapper-Kollegen reduziert. Neben den zwei Banger Musik-Homies KC Rebell und Farid Bang ist der Berliner AK Ausserkontrolle auf der bereits vorab veröffentlichten Single Wahre Begebenheiten vertreten. Die beiden vermummten Rapper ergänzen sich stimmlich und atmosphärisch überraschend gut.

Ich trage achtzehn Karat Gold
Und wünsch‘ mei’m Bruder 18 Karat Gold

Zum Farid-Feature muss man wohl keine Worte mehr verlieren, da es die meisten dank diverser Seitenhiebe gegen Chakuza, Laas und Co. gehört haben dürften. Psycho mit KC ist meiner Meinung nach sowohl textlich, musikalisch als auch inhaltlich einer der schwächsten Songs der Scheibe. Der Beat und die Hook wirken auf Dauer sehr stressig und nerven nur noch und der KC-Part besteht größtenteils aus Phrasendrescherei.

Natürlich darf auch der Supremos-Kollege Play69 auf einem 18 Karat-Album nicht fehlen. Der ebenfalls aus Dortmund stammende Rapper ist gleich auf zwei Songs vertreten. Sowohl auf Braun grün gelb lila als auch auf Mach ma keine Filme liefert er stabile Parts ab und zeigt seine textlichen Fertigkeiten erneut. Man darf weiterhin gespannt sein, in welche Richtung sich die Karriere des Nordstädters entwickeln wird und ob ein Signing bei Banger Musik in den nächsten Jahren ansteht.

Ich bin und bleib‘ in meinem Ghetto sowas wie der Bundeskanzler
Und der erste Rapper, der in Videos nicht rumgetanzt hat

Fazit

Insgesamt habe ich an Pusha nicht viel auszusetzen. In Zeiten von einer wahren Flut an Auto Tune- und Trap-Rappern kommt ein hartes Street-Album sehr erfrischend daher. Höchstens die fehlende Abwechslung in Sachen Flow-Variationen und die doch sehr ähnlich klingenden Beats lassen sich bemängeln und sorgen wohl dafür, dass Pusha kein Album ist, dass man monatelang und in jeder Stimmungslage hören kann. Die nächsten Wochen wird es im Auto aber definitiv hoch und runter laufen.

Hier Pusha bestellen (leider kein Streaming).

Snippet:

18 Karat Tracklist von Pusha

 

Foto: Collage: Screenshot (18 Karat GANGSTA GANGSTA [ official Video ] prod. by Joshimixu / https://youtu.be/68eWhHi_lew), Cover (18 Karat – Pusha)

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7.4
  • Text 7
  • Flow 6
  • Beats 8
  • Atmosphäre 9
  • Features 7
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