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Review: AK Ausserkontrolle – „A.S.S.N.“

Der echteste Berliner“ – man ist fast versucht AK Ausserkontrolle dieses Prädikat zu verleihen. An dieser Stelle natürlich kein Front an alle anderen Berliner Rapper, aber AK schießt die in jüngster Zeit heiß diskutierte Realness förmlich aus jeder Pore.

Alleine die über dem Bandana hervorstechenden Augen erzählen Geschichten und lassen einen wissen, dass der Rapper schon viel Sch**ße gesehen hat.

Berliner machen keine Spielchen
Fluchtwagen mieten, Hauptstadt der Diebe

(AK Ausserkontrolle – A.S.S.N.)

AK Ausserkontrolle schlägt nach seinem Top-10-Debüt Panzaknacka mit A.S.S.N. (kurz für Auf Staat Sein Nacken) erneut Deutschraps Schaufensterscheibe ein. Das Einbrecher- und Drogenverticker-Image haftet auch dem aktuellen Album an.

Kriminalität als Alternative zur Perspektivlosigkeit, die einem in Berlin Wedding aufgewachsenen Sohn türkischer Flüchtlinge laut AK auferlegt wird. Dennoch sieht er Deutschland als seine Heimat an und ist froh, mittlerweile eine Alternative zur kriminellen Alternative gefunden zu haben, wie er im YouTube-Format Germania erzählt.

Mittlerweile hat der Weddinger einen Deal beim Label Auf!Keinen!Fall! an Land gezogen, über das auch Künstler wie die 187 Strassenbande oder Capital Bra ihre Alben releasen.

Die ersten Schritte in eine gewisse Sicherheit sind gemacht und dennoch fährt AK auch auf A.S.S.N. seinen Straßenrap-Film weiter und lässt den Hörer eintauchen in sein Umfeld und seine Erlebnisse.

Es geht um Kriminalität, Drogen, Frauen und Loyalität – typische Street Rap-Themen eben. Die alte Debatte um Vorbildfunktion zieht auch an AK Ausserkontrolle nicht einfach vorbei.

Man kann ihm sicherlich vorwerfen, den Straftatbestand des Einbruchdiebstahls zu positiv in Szene zu setzen und ihn als echte Alternative zu einem 9-to-5-Job darzustellen. Doch wie AK es selbst im Interview mit dem Magazin [030] auf den Punkt bringt:

Klar ist es etwas verherrlichend, was ich mache. Das möchte ich nicht verleugnen. Es ist aber mein Leben. Ich erzähle, was ich erlebt habe und wer ich bin. Das ist mein Recht.

(AK Ausserkontrolle – Interview mit Berlin030)

Auf A.S.S.N. macht der Berliner auch deutlicher denn je, wie sehr er dieses sündhafte Leben eigentlich ablehnt. Satans schlimmer Hunger spiegelt die Realität der Problembezirke in Form von Aufzählungen auf einem drängenden Beat wider.

Full Time Hustler wählt ein anderes Stilmittel. Der Storyteller handelt vom jungen Cem, der immer tiefer in den Strudel der Kriminalität und Drogensucht abrutscht. Beide Songs lassen den Zuhörer sicher nicht in dem Gefühl zurück, gleich den nächsten Späti ausrauben zu wollen.

Cems Mutter weint, Cems Mutter weint laut
Sein Bruder weiß, sein Bruder weint auch
Ewiger Kreislauf, sch**ß drauf und er gibt sein’n Geist auf

(AK Ausserkontrolle – Full Time Hustler)

Auch musikalisch geht AK etwas andere Wege als auf dem Vorgänger. Im Interview mit [030] erklärt er, dass einige Songs in Richtung des überraschenden Fan-Lieblings 2065 auf Panzaknacka gehen würden.

Insgesamt hätte er ein paar Experimente gewagt. Damit meint er wohl Tracks wie Jim Beam & Voddi mit Bonez-Feature. Der Song wirkt schon fast, als könnte er aufgrund der tanzbaren Drums und Synthie-Melodien auch als Club-Hymne funktionieren.

Auch Lieber Gott ist ein äußerst melodischer Song, dessen Hook mir seit Release nicht mehr aus dem Gehörgang geht. Mit dabei ist Fux Ausserkontrolle, dem AK auf A.S.S.N. eine Plattform bieten wollte, um dessen eigenen Rap voranzutreiben, wie er in Marvin Games Hotbox erklärt. Außerdem ist Fux auf Verliebt in den Tod, F*ck die Hoe und Bankster vertreten und liefert stabile Parts ab.

Auch Jason und Pablokk sind als weitere Member der Ausserkontrolle-Crew mit von der Partie. Nachdem AK Ausserkontrolle auf dem letzten Release scheinbar alleine sein Ding durchzog und die Gang auf die Karte der deutschen Raplandschaft setzte, versucht er jetzt also seine Kollegen mitzunehmen auf dem Weg – ehrenhaft!

Die weiteren Feature-Gäste stammen ebenfalls allesamt aus dem Ausserkontrolle-Umfeld und stellen keine Überraschungen dar. Darunter befinden sich Label-Kollege Capital Bra, der weitere 187-Member Sa4, der Banger Musik-Artist 18 Karat, auf dessen Album Pusha AK bereits vertreten war und Kontra K und Veysel, die bereits Parts zu Panzaknacka beisteuerten.

Dieser Hamburger Transporter macht Umsatz
Tu auf Baba in dei’m Clip, doch du bleibst nur ’ne Lachnummer

(Sa4 – Wenns drauf ankommt)

Fazit

Insgesamt macht AK Ausserkontrolle auf seinem zweiten Soloalbum dort weiter, wo er auf Panzaknacka aufgehört hat. Druckvoller Flow mit einer einzigartigen Stimmfarbe auf einem einzigartigen Soundbild, für das man an dieser Stelle fette Props an Sonus030 verteilen darf. Mir macht das Album Spaß, da es trotz einheitlicher Stilrichtung nicht langweilig wird.

Double Time-Passagen gehen Hand in Hand mit etwas ruhigeren Flow-Variationen. Drogenverticken geht Hand in Hand mit Rufen zu Gott. Mein Lieblingssong auf der Platte bleibt nach wie vor Lieber Gott, dicht gefolgt von Jim Beam & Voddi. Wer sich für AKs ungewöhnliche Stimmlage erwärmen kann und ein Faible für harten, ungeschönten Straßenrap straight outta Wedding hat, der ist mit A.S.S.N. die nächsten Wochen gut versorgt.

Die weitere Entwicklung der gesamten Ausserkontrolle-Crew sollte man auf jeden Fall auf dem Schirm haben. In diesem Sinne: Bandana tief ins Gesicht ziehen, raus auf die Straße und dem Nachbarn zumorsen, dass A.S.S.N. auf dem Markt ist – natürlich mit der stilechten Taschenlampe aus AKs Deluxe Box!

Höre dir A.S.S.N. hier im Stream an:

Und bestelle es dir hier in physischer Form:
https://www.amazon.de/dp/B06XCGN1B4

 

 

Foto: Collage: Screenshot (AK AUSSERKONTROLLE – KRISTALL (prod.Sonus030) / https://youtu.be/ylDtY8JHg00), Cover (AK Ausserkontrolle – A.S.S.N.)

7
  • Text 4
  • Flow 9
  • Beats 8
  • Atmosphäre 8
  • Features 6
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  1. Tim Schäfer sagt

    Danke für die Zitate. Allerdings heißen wir [030] Magazin nicht berlin030. Unsere Homepage ist lediglich http://www.berlin030.de. Würd uns freuen, wenn ihr das kurz ändert.

    1. Jonas sagt

      Ist geändert! Sorry für den Fehler und danke für den Hinweis!
      Grüße Jonas